Stopp mit Hindernissen

Ja. Es ist vollbracht. Geschafft. Vollendet. Nur fühlt es sich leider nicht so an. Eigentlich fühlt sich gar nichts an. Nur leer. Erschöpft. Leicht überfordert. Von dem, was jetzt noch kommen mag. Vom dem Danach. Dem Leben. Ja. So nennt man das wohl. Dieses Pendeln zwischen Erwerbsarbeit und Wochenende. Leben. Das es zu gestalten gilt. Nur weiß ich nicht mehr, wie das geht. Und weiß auch gar nicht, was ich will. Jetzt so danach. Vom Leben. Von mir. Von anderen. Ich will auch gerade gar nichts wollen. Und auch gar nichts müssen müssen. Denn dazu fehlt mir nun die Kraft. Der Wille. Was doch ziemlich schade ist. Denn da ist so viel Rest vom Leben. Und nur so wenig Lust dazu. Doch weil ich diese Zeit vorhersah, hatte ich schon vorgesorgt. Mit einem Platz in einer Klinik. Ja. Nun doch noch einmal Psychiatrie. Um mich mal richtig auszuruhen. Mal in Ruhe nachzudenken. Das Leben einmal anzuhalten. Das wie im Rausch an mir vorbeizog. In diesem und im letzten Jahr.

Und heute ist der Tag gekommen. Doch irgendwas, irgendwas in mir will jetzt gar nicht in die Klinik. Denn dort bin ich eingesperrt. In ein System. Aus Regeln und Strukturen. An die ich mich zu halten habe. Ausganszeiten. Essenzeiten. Gruppensitzung. Therapie und Achtsamkeit. Und wahrscheinlich auch noch Basteln! Das Zimmer muss ich zudem teilen. Und davor hab ich jetzt schon Angst. Nein. Ich will nicht wieder in die Klinik. Gerade will ich’s wirklich nicht.

Und damit bin ich nicht alleine. Denn auch mein Hausarzt will anscheinend nicht, dass ich in die Klinik gehe. Und verweigert mir die Einweisung. Am Freitag. Nach zwei Stunden Wartezeit. Die damit vollkommen umsonst war und das am letzten Arbeitstag. Ich daher lautstark insistierte. Ok. Ich weinte sogar fast. Worauf er mich der Tür verwies. Ich nochmal in der Klinik anrief. Die das tatsächlich nicht verstand. Ich wieder durch die Tür zurück ging. Die Klinik immer noch am Ohr, mit der er dann nicht sprechen wollte. Sich weigerte sie anzurufen und die Klinik auch nicht ihn. Und ich so zwischen beiden stand. Die einen ohne Schein mir die Aufnahme verweigern. Und der Andere mir den Schein. Und mich zum zweiten Mal hinauswarf. Weshalb ich jetzt nicht wie geplant bereits in der Klinik sitze, sondern nochmal nach Hamburg muss. Zu meiner alten Therapeutin. Von der krieg ich diesen Schein.

Doch auch mein Körper will anscheinend nicht, dass ich in die Klinik gehe. Weshalb er heute Morgen krank war. Ich die erste Bahn verpasste. Mit Zugbindung. Natürlich. Weil der dann auch noch pünktlich war. Denn auch die Bahn, die will anscheinend nicht, dass ich die Klinik gehe. So dass der erste Zug heut Morgen in seiner Pünktlichkeit erstmal auch der letzte blieb. An diesem Tag mit leichtem Schnee. Alle Züge. Alle spät. So saß ich auf gepackter Tasche. Mit Tee und Schmerzen überall. Die roten Zahlen fest im Blick, die konstant immer höher wurden und mein Zeitfenster, das schrumpfte. Ich schon den Hörer in die Hand nahm, um bei der Klinik nachzufragen, ob wir das nicht verschieben können. Um einen Tag. Um eine Woche. Hach, am besten gleich ein ganzes Jahr. Doch das traute ich mich nicht. Denn auch wenn ich da nicht hin will, woanders will ich auch nicht sein.

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Antipasti

Ich hatte einen Mann kennengelernt. Einen sehr netten jungen Mann. Bei unserem zweiten Date gestand ich ihm, ich wär speziell. Ich oft viele Gefühle habe. Und die sehr stark und das im Wechsel. Und das anstrengend sein kann. Für mich. Und manchmal auch für andere. Er hörte zu sagte: Hm. Wie gut, dass ich gelassen bin. Und jetzt hast Du schließlich mich. Und stellte dann nur eine Frage, ob sich meine Freunde deshalb trennten. Was ich der Wahrheit treu verneinte. Von denen habe ich mich getrennt. Und damit war es dann auch gut.

Später fragte er nach meinen Narben. Ich sagte ihm, dass ich das täte, wenn Gefühle viel zu stark sind. Ich die Spannung nicht ertrage. Er sagte: Hm. Ich möchte nicht, dass Du das tust. Ich möchte nicht, dass Du Dir weh tust. Denn schließlich hast Du ja jetzt mich.

Und als wir gestern essen waren, erzählte er von einer früheren Bekannten. Erfolgreich. Eloquent. Patent. Mit zwei Studien und ebenfalls dem Doktortitel. Und wie überrascht er war. Als er im Nachhinein erfuhr. Mein Gott. Sie habe Borderline. Und er hat das nicht gemerkt. Ich sah ihn so an über den Tisch. Und winkte. Über die Vorspeisen hinweg. Oliven. Halloumi. Und ein bisschen Paprika. Ich winkte und sagte: Ja. Das hab‘ ich auch. Und ihm entgleiste das Gesicht. Auf eine Art, die mir jetzt neu war. Er saß und schaute. Sein Körper in zwei Richtungen zuckend. Gehen wollen und sitzen bleibend. Ja. Merkt man gar nicht, fuhr ich fort. Doch denken können, hätt‘ man‘s sich. Vielleicht. Oder nicht. Doch? Sein Gesicht wechselt die Farbe. Ach. Und promovieren können wir auch. Ein ganzes Kolloquium aus Borderlinern könnt‘ ich rekrutieren. Ich beließ es dann dabei. Und kaute unauffällig weiter.

Er war weiter ziemlich wütend. Das hätte ich ihm sagen sollen. Ich dachte, das hatte ich getan. Nur benannt hab ich es nicht. Und wo sei da auch der Unterschied. Und überhaupt. Was soll das jetzt. Wir schwiegen beide eine Weile. Und damit war es dann auch gut. Er stellte weiter keine Fragen. Nur fest, dass es ok ist. Denn jetzt hast Du schließlich mich. Ich blickte auf das Brot und schwieg. Weil ich mich an sich trennen wollte. Und schon bevor ich ins Lokal kam.

Rausruhen

Mann. Leute.
Bin ich froh, wenn das alles vorbei ist.

Und an Tagen wie heute bin ich mir nicht sicher,
ob ich nur diese stressige Lebensphase meine.

Bericht folgt. Wenn geschafft.
Drückt mir die Daumen.

Nina

Buddha

Wer mich kennt weiß, dass ich zu den ausgeglichensten und entspanntesten Menschen dieser Welt gehöre. Auch die Leser dieses Blogs schätzen mich aufgrund meiner emotionalen Stabilität und dem stets heiteren Gemüt. Geprägt von Leichtigkeit und Frohsinn.

Und dieser Charakterzug ist wichtig. Sehr wichtig. Ja. Existenziell geradezu. Gerade jetzt. In dem Moment. Stelle man sich vor ich wäre instabil. Stimmungsschwankig. Anfällig. Abhängig. Labil oder gar süchtig. Und würde immer noch auf meine Gutachten warten. Und die Noten. Für die Doktorarbeit. Die seit drei Wochen überfällig sind. Und in zwei Wochen schon mündliche Prüfung ist. Man stelle sich das einmal vor. Das wäre doch kaum auszuhalten. Wäre ich nicht so stabil. Sondern gar ein Borderliner.

Des toten Dichters Frau Zitat

Kurt Tucholsky war ein deutscher Journalist und Schriftsteller. Er lebte in Berlin bis Mitte 30. Schrieb für Zeitungen und Verlage unter verschiedenen Pseudonymen. Er war politisch. Er war lustig. Und er mochte auch die Frauen. Viele Frauen. Mehrfach war er verheiratet. Mehr noch Geliebte hatte er. Er war promisk und aufgeklärt. Er war politisch. Und sehr lustig. Ich glaub‘, das sagte ich bereits. Und zudem war er depressiv.

„Mit dieser Energie, mit der Er unglücklich ist, könnte Er auch glücklich sein in Berlin.“ beschrieb ihn seine zweite Frau.

Ja. Nun. Die Einsicht hat er nicht geteilt. Er hat sich kurz darauf getrennt und verstarb mit 45. In Göteborg statt in Berlin. Ob aus Versehen oder Absicht ist nicht abschließend bekannt. Tja. Die Einsicht hat er nicht geteilt. Und sie hat ihn nicht gerettet. Aber dafür heute mich. Vielleicht. Ein bisschen.