Schön gestört

Letzte Woche hatte ich den Termin bei einer Psychiaterin, auf den ich drei Monate warten musste. Und nachdem ich ihr eine halbe Stunde Fragen beantwortet und meine Geschichte in Kurzform erzählt habe, sagte sie zu mir: „Ja. Frau Nuthouse. Sie haben halt eine ganz schön schwere Störung.“ Und das war einer dieser seltenen Momente, in denen ich mich zugleich beleidigt, aber zutiefst verstanden und angenommen gefühlt habe. 

Denn ich dachte: Scheisse, ja. Dein Leben darf sich verdammt schwer anfühlen. Weil es manchmal echt schwer ist. Vielleicht schwerer als für andere. Und dafür machst Du es nicht schlecht!“ 

Man kann schließlich auch nicht von einem Marathonläufer erwarten, die gleiche Rekordzeit zu schaffen, wenn ihm ein Bein fehlt. Und irgendwie war es genau das, was die Ärztin getan hatte. Mich mitten im Wettlauf darauf hinzuweisen, dass mir eigentlich ein Bein fehlt. Naja, vielleicht auch nur ein Fuß. Oder zwei Zehen. Aber, egal. Alleine das hat mir geholfen, mit dem Hadern und Vergleichen kurzzeitig mal aufzuhören. 

So verließ ich die Praxis etwas ergriffen dank dieser Erkenntnis. Aber vielleicht auch wegen des Rezepts für Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, das sie mir ausgestellt hatte. Die stehen jetzt vor mir. Ich könnte sie nehmen. Ich soll sie sogar nehmen. Und einige wissen, wie lange ich darauf gewartet habe. Nur geht’s mir dafür viel zu gut.

3 Gedanken zu “Schön gestört

  1. Du weißt aber vermutlich, dass es trotzdem gut wäre sie zu nehmen, bevor es dir schlecht geht?! 😉
    Toll, dass es endlich geklappt hat. Ich hoffe dass sie dich gut unterstützen.

    Bei mir war das Beste an den Medis…ich habe sie unregelmäßig genommen und konnte dann immer wnen es mir schlecht ging, die Schuld auf die unregelmäßige Einnahme schieben. Also einfach nehmen und dann wird es schon wieder.
    Oft hat es geholfen „einfach zu warten“ – nicht auf die Wirkung der Tabletten, sondern – wie ich jetzt weiß – das Nachlassen der Anspannung, des Gefühls oder der Sucht. 🙂

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    1. Ja, Du hast natürlich recht! Und als ich las, was ich schrieb, dachte ich auch, dass es sehr unvernünftig klingt.

      Ich hadere schon so lange, ob ich welche nehmen sollte oder nicht. Und immer, wenn ich soweit war, sie nehmen zu wollen, weil es mir schlecht ging, habe ich keine bekommen. Und jetzt, wo ich endlich welche bekommen habe, geht es mir seit einiger Zeit wieder so gut, dass ich denke, sie doch nicht zu brauchen. Ich bin ambivalent. Seufz.

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