Selbstversuch

Es ist soweit. Ich habe heute den ersten Tropfen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer genommen. Genauer gesagt Escitalopram.

Jeden dritten Tag soll ich die Dosis um einen Tropfen erhöhen. Bis ich bei sieben bin. Der langfristige Zielwert liegt allerdings bei zehn.

Und natürlich habe ich den Fehler gemacht, vorher die Nebenwirkungen zu lesen. Das kann ich niemanden empfehlen.

Mit einer über zehnprozentigen Wahrscheinlichkeit bekomme ich Übelkeit und Kopfschmerzen.

Mit bis zu zehnprozentiger Wahrscheinlichkeit Angst, Ruhelosigkeit, Schwindel, Zittrigkeit, Schläfrigkeit, Durchfall oder Verstopfung, mehr oder weniger Appetit, Gewichtszunahme (was für mich als Essgestörte ein absoluter Alptraum ist), Muskel- und Gelenkschmerzen, geminderte sexuelles Interesse und Orgasmusstörungen (was für mich ebenfalls ein Alptraum ist).

Und das sind noch die Harmlosen.

Aber, hey! Immerhin gibt es eine vierzig- bis sechzigprozentige Wahrscheinlichkeit, dass sich meine depressiven Verstimmungen spürbar verbessern. Die Stochastik ist damit auf meiner Seite.

Nur, sollten sie nicht wirken, ist mein letzter Joker auch verbraucht.

27 Gedanken zu “Selbstversuch

  1. Hej,
    Die meisten NW verschwinden nach 14 Tagen, wenn die Wirkung anfängt, einzusetzen. Auch macht es nicht plopp! und auf einmal scheint die Sonne, sondern irgendwann merkt man, daß es seit einer Weile „besser“ ist. Oder nicht, und dann gibt es noch eine ganze Menge Wirkstoffe, die ähnlich, aber anders sind und welche, die mehr anders sind, Du hast noch viele Joker. Aber Obacht, dem Umgang mit der Welt verändern sie nicht, wie bei allem Therapiekram und überhaupt: Man muß doch alles selber machen. Eine Krücke aber, und das ist, wie Du schon meintest, hilfreich, beim Marathon wenn ein Bein fehlt.

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  2. Hallo Nina,
    lange lese ich schon deine Beiträge still mit.Mir geht es wie dir.Ich denke immer,die Texte hätte ich schreiben können.Du kannst stolz sein,dich überwunden zu haben,die Medis zu nehmen.Ich saß auch Tage davor unf dachte „Und das soll es jetzt sein…soweit ist es schon gekommen“…Aber sie helfen wirklich.Ich bin froh,die Medikamente zu haben,sie machen mir das Leben zumindest etwas leichter.

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  3. Ich hoffe, dass du kaum NW hast und das Mittel hilft!

    Hoffentlich ist es das Passende. Wenn nicht das, probier das nächste. Es wirken nicht alle gleich. Wenn es das nicht ist, vielleicht ein anderes.

    (Ich hab meins (noch) nicht gefunden.)

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    1. Danke, Sophia! Gerade fühle ich mich etwas aufgedreht und zitterig. Fast als hätte ich ein wenig Amphetamin genommen. Aber vielleicht bilde ich mir das nur ein. Schließlich war es nur ein Tropfen. Bin mal gespannt, was die nächsten Tage bringen…

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  4. Schön, von dir zu lesen! 🙂 Und ich drücke die Daumen, dass dir Escitalopram gut hilft! Habe ich auch ca. 1 Jahr genommen. Ich glauuube, es hatte eine leicht stabilisierende Wirkung auf meine Stimmung…super schwer zu beurteilen. Habe aber einige Freundinnen, die mit der Wirkung zufrieden sind! Ich habe seitdem, noch 3 andere Antidepressiva ausprobiert und wieder abgesetzt und überlege jetzt nach ca. 1-jähriger Pause mal wieder ein neues auszuprobieren (meine Impulsivität betrifft auch den Umgang mit Medikamenten, merke ich gerade 🤪). Falls du Fragen hast, stehe ich auch gerne mit meinem Erfahrungsschatz zur Verfügung 😊 Liebe Grüße

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  5. Die gute alte Statistik.
    Sind denn irgendwelche Nebenwirkungen bisher aufgetreten?
    Diese Beipackzettel les ich schon lange nicht mehr 😛 Wenn ich überlege wieviel Gift ich schon freiwillig in mich reingeschaufelt habe, wird mich das nicht umbringen denke ich mir immer (ich hab aber keine Allergien, das ist eh i.d.R. schonmal recht praktisch an der Stelle). Zwar auch keine besonders kluge Einstellung, das gebe ich zu, aber irgendwie entspricht das meiner Art bei sowas.
    Ich wünsch Dir auf jeden Fall, dass die Tropfen wirken und vor allem die ungeliebten Nebenwirkungen wie Essen und Orgasmusstörungen ausbleiben!

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    1. Danke, Sappy! Also, momentan fühle ich mich tatsächlich als hätte ich eine ordentliche Menge Speed gezogen. Bin total aufgedreht, habe keinen Appetit und schlafen ging auch nicht. Und morgen soll ich auch noch die Dosis erhöhen. Keine Ahnung, wie das werden soll. Laufe jetzt schon rum wie dieser Duracelhase. 😀

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      1. Ok das ist ja echt krass. Und das bei der „Einstiegsration“? Besonders nervig ist dann ja meistens, wenn man nicht schlafen kann. Und wie wir ja in der DBT gelernt haben, ausreichen schlaf ist wichtig um die Vulnerabilität zu verringern. Was dann ja fast ne negative Rückkopplung ist 😦
        Also Netto ist das jetzt gut oder schlecht? 😛 Das Duracellhäschen ist ja eigentlich ganz süß 😛

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      2. Wegen des Schlafes wollte mir die Psychiaterin noch Tavor dazu verschreiben. Ich habe dann dezent darauf hingewiesen, dass es für Menschen mit Suchtproblematik vielleicht nur so mittel gut ist. Ich habe stattdessen Atosil und ein Schlafmittel aus der Apotheke. Und, naja. Bis auf dass ich mich wie ein Druffi fühle, geht es mir eigentlich ganz gut….

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      3. Ähm Tavor ist per se nicht so Clever find ich, selbst für Menschen ohne Suchtproblematik. In der Reha auch einige kennen gelernt die Tavor nehmen musste und alle übelst Abhängig waren, rumgewandelt wie so Zombies O_O
        Wobei ich das auch in Krankenhäuser immer gut finde. Wirst nach Allergien gefragt und wenn nicht allergisch bis bekommst alles reingepumt. Aber nach Suchtgefahr fragen wäre min. genauso sinnvoll. Mir wurde da relativ schnell Oxycodon fast zum Verhängnis. Das hätte ich auch keine Woche länger nehmen dürfen, wärs dahin gegangen glaub ich….

        Ich mein „sich wie en Druffi fühlen“ ist ja in manchen Aspekten so schlecht nicht. Sind wir ehrlich, es fühlt sich schon gut an großteils. Es sollte eben nur ohne „Druffi Stoff sein“, deswegen sage ich mal ganz vorsichtig, „ok, das klingt ja eigentlich dann schon ganz gut“? 🙂

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      4. Ja. Schon…allerdings habe ich schon Respekt davor morgen die Dosis zu verdoppeln. Und überhaupt mehrere Wochen in dem Zustand zu verbringen, erscheint mir schwer vorstellbar. Und das war jetzt nur EIN TROPFEN. Wahnsinn.

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      5. Verständlich. Vielleicht haut das ja aber dann auch noch hin, dass die Nebenwirkungen und der Effekt weniger stark ist und normal wird. Und es sich trotzdem gut anfühlt 🙂
        Drücke die Daumen!

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  6. Ich habe das Escitalopram in der ersten Woche nur mit Tavor ausgehalten. Mein Psychiater hat mir aber wegen der Suchtproblematik die Tavor-Tabletten abgezählt mitgegeben. Nach der ersten Woche war es dann viel besser, sich als vorher. Nehme das Escitalopram jetzt seit 9 Jahren. Ich drück Dir meine zehn Daumen.

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