Atmen

Das wird wahrscheinlich ein sehr kurzer Text. Und das hat auch einen Grund. Dieser Grund hängt mit einer Übung zusammen aus der mitgefühlsbasierten Therapie. Vielmehr ist es eine von drei zentralen Übungen, eine der drei Kernmeditationen, auf denen die ganze Sache aufbaut. Und sie heißt: Liebevolles Atmen.

Genau. Das liebevolle Atmen. Ok. Mag man sich denken, das kann nicht so schwierig sein. Und so dachte ich’s mir auch. Atmen kann jeder. Ebenfalls ich. Und liebevoll, ja nun. Dann denkt man halt an etwas anderes. Oder jemand anderes zu sein. Das hat schon manches Mal geklappt. Ohne ins Detail zu gehen. Trotzdem wollte ich’s mal versuchen. Mit mir selbst und diesem Atmen. In der Sorte liebevoll. Wozu war ich schließlich hier:

„Nimm eine angenehme Körperhaltung ein. Schließe die Augen. Atme tief ein und tief aus. Sanft und tief. Lasse alle unnötigen Anspannungen los. Spüre die Atmung. Das Einatmen. Das Ausatmen. Den natürlichen Rhythmus Deiner Atmung. Im ganzen Körper. Den besänftigenden Rhythmus wie Wellen eines Ozeans, die kommen und gehen. Lasse Deinen Körper atmen. Lass Deinen Körper Dich atmen. Es gibt nichts zu tun.“

Doch bevor ich wirklich EINS mit meinem Atem werden, mich meinem Atem hingeben, ja, mein Atem SEIN konnte, war ich immer vollkommen raus. Denn sobald ich mich mir und meinem Atem widme, in liebevoller Dankbarkeit natürlich, weil er mich und meine Zellen mit jedem Atemzug mit Sauerstoff versorgt, stelle ich mir den ganzen Dreck vor, den ich mit jedem Atemzug jeden Tag so beim Rauchen in mich reinziehe. Fühle verklebte Lungenbläschen und zugeteerte Blutgefäße. Und das ist gar nicht liebevoll. Von mir. Im Umgang mit mir selbst. Und darauf lässt sich auch nicht meditieren. Und das wurde zum Problem. Bis Freitag.

Denn da hab‘ ich aufgehört mit Rauchen. In einem Akt der Selbstliebe und Fürsorge, oder vermutlich mehr aus Vernunft und schierer Frustration, habe ich mit Rauchen aufgehört. Darauf bin ich sogar stolz. Ein wenig. Doch vielmehr bin ich sehr erregbar. Und gereizt. Manchmal auch ziemlich aggressiv. Ich gehe Menschen aus dem Weg. Ich kann mich nicht konzentrierten. Nicht arbeiten. Und auch keine Texte schreiben. Was mich alles sehr frustriert und zurück zum Anfang führt. Doch sehe ich es positiv. So viel Mitgefühl wie gerade, hab‘ ich schon lange nicht gebraucht. So atme ich ein. Und atme ich aus. Und manchmal fast schon liebevoll.

40 Gedanken zu “Atmen

  1. Und wer an diesen Meditationen tatsächlich interessiert ist, kann ich die Seite von Christine Brähler empfehlen. Dort finden sich Audio-Anleitungen für die drei Kernmeditationen sowie alle weiteren des MSC-Programms. Und auch wenn ich keine Esoterikerin bin, und eher zynisch über diese Dinge schreibe: Ja, doch. Es kann schon ziemlich viel bringen. Wenn man sich einmal darauf einlässt. http://christinebraehler.com/de/meditationen/

    Gefällt mir

  2. Na toll… mit wem rauch in denn dann meine Zigaretten, wenn ich mal in Berlin bin? 😉
    Alleine Rauchen kann doch auch nicht die Lösung sein…

    Viel Erfolg beim Durchhalten wünsch ich Dir 🙂

    Gefällt mir

    1. Gnihihi…jetzt weißt Du endlich wie es mir mit Deiner Rhabarberschorlenfixierung immer geht. 😉

      Aber im Ernst: Es ist einerseits viel leichter als befürchtet, aber punktuell doch ziemlich anstrengend. Tatsächlich habe ich lange nicht mehr so geborderlinert wie jetzt auf Nikotinentzug. Da kann ich mal wieder alles ganz erfolglos anwenden, was ich jahrelang gelernt habe.

      Gefällt 2 Personen

  3. Ich hab über die letzten Jahre viele Stellschrauben kennengelernt, um Depressionen im Zaum zu halten. Doch wenn dann etwas triggert, gerät das System aus dem Gleichgewicht und die Stellschrauben wollen wieder feinjustiert werden. Die eine weiter rein. Die andere raus. Und hey: da war ja noch eine, die ist ja ganz locker. Verdammt!
    Mir geht es damit mittlerweile wirklich besser, seit ich mir zugestehe, dass die Schraubarbeit von Zeit zu Zeit nötig ist, damit alles wieder in ein erträgliches Ungleichgewicht gerät und mein Leben in Bahnen eiert, die trotzdem irgendwie nach vorn führen.

    Gefällt 1 Person

  4. Wobei: mir scheint, dass ein Borderliner ja eher so einen Automotor auseinander nimmt. Bei voller Fahrt. Auf zwei Reifen. Brennend auf den Abgrund zu vor dem eine Rampe steht um über die Schlucht zu springen 😉

    Gefällt 1 Person

      1. Ich gestehe: das Bild ist mehr ein Resultat unserer Gespräche, denn eigene Kreation. Für die bin ich übrigens dankbar. Weil es auch was mit mir macht zu sehen, wie du die Herausforderungen angehst. Wie scheitern immer wieder dazu gehört. Und weil immer wieder die vielen kleinen Erfolge da sind. So wie in diesem Beitrag. Wenn es sich dann irgendwann angenehm anfühlt, dann ist die wesentliche Feinarbeit geleistet. Jedenfalls bis … hey guck ma! Was wohl passiert, wenn man an dieser Schraube dreht ??

        Gefällt 1 Person

  5. Coole Sache. Ich wünsche Dir, dass du noch bisschen durchhältst. Ich finde mal ne Woche oder so nicht rauchen ist kein Problem, aber die challenge ist immer ~ 4 Wochen. In 4 Wochen ist die Chance nahe 100%, dass ich massiv rumborderliner und dann ist rauchen auch meist das kleinste Problem, aber leider ein Mittel zum Dampf ablassen (genauer betrachtet eigentlich Quatsch im wahrsten Sinne des Wortes!). Davon abgesehen bin ich mir in den Phasen auch maximal egal. Auch verklebte Lungen, Krebs oder sterben ist mir dann irgendwie egal oder zweitrangig.

    Und dann bereue ich das immer danach. Aber am Ende hänge ich immer noch an der Fluppe. Unter der Woche wenigstens halbwegs wenig.

    Aber Atmen ist wirklich wichtig, das hab ich bei meinem ersten Thera gelernt. Und auch öfters mal bewusster gemacht. Nicht unbedingt liebevoll aber bewusst, das bringt schon einiges finde ich.

    Cheers!

    Gefällt 1 Person

    1. Du hast recht. Nach vier Wochen ist bei mir meistens auch der Punkt, an dem ich wieder anfange. Aber anders als bei Dir sind für mich die ersten Tage eigentlich immer voll die Hölle. Ich verstehe Raucher nicht, die einfach ein paar Tage nicht rauchen können. Ihr seid doch gar nicht richtig süchtig!!1!1!! 😬

      Gefällt 1 Person

      1. Doch das geht immer dann gut, wenn ich am Wochenende gefühlte 70 pro mille hatte und viel zu viel geraucht habe 😉 . Dann kann ich als mal einige Tage, manchmal sogar die ganze Woche nicht rauchen. Macht es natürlich nicht besser. Aber ich bin auch generell jemand der z.B. nicht morgens raucht. Das geht gar nicht. Ich rauche eigentlich sogar nicht einmal beim Arbeiten, also tagsüber. Eigentlich nur abends.

        Gefällt 1 Person

      2. Hrrrr. Also, wenn ich was mache, dann mache ich‘s richtig. Ich rauche schon zwei Zigaretten bevor ich morgens laufen gehe. Ich würde sogar beim Joggen rauchen, wenn‘s nicht irgendwie hinderlich wäre. Tja. Drogen. Lieben. Arbeiten. Irgendwie immer nur ganz oder gar nicht. Bisher.

        Gefällt 1 Person

      3. O_O Ok, das ist hart 🙂 Das könnte ich nicht. Aber nach dem Aufstehen erstmal eine Rauchen, das geht echt gar nicht, eigentlich komisch. Bin aber nicht böse darum 🙂 Teilzeitraucher sein ist eigentlich genug. Bleibt auch noch bisschen Zeit normal zu atmen 😛 Außer am Wochenende, da hol ich dann auf 😛
        Oh ja, Prinzip „ganz oder gar nicht“, das ist ein richtig doofes Prinzip.

        Gefällt 1 Person

      4. Nochmal Spaß beiseite. In einigen Bereichen habe ich tatsächlich schon erfolgreich dran gearbeitet. Aber auch akzeptiert, dass ich im Grundsatz eben so geprägt bin. Und es macht keinen Sinn etwas anzustreben, was ich niemals sein kann. Das führt nur zu Frustrationen.

        Gefällt 1 Person

      5. Ja, same here 🙂 Ich hab mich Jahre lang damit unter Druck gesetzt, dass ich das alles ändern MUSS. Aber im Grunde bin ich halt….so. Frustration triffts gut. Und vor allem es entsteht en morz Stress und was Stress und dadurch resultierende Anspannung so alles mitsich bringen, das weißt du ja sicher auch 🙂

        Gefällt 1 Person

  6. Danke Nina für den Bericht – und den Link oben, werd ich mal ausprobieren.

    Wobei ich oft schon in einer gewissen „entspannten Grundstimmung“ sein muss um mich auf Entspannungsübungen einzulassen – ansonsten fühl ich mich dann auch gern mal gegängelt „wenn ich entspannen muss“ und werd innerlich eher renitent. Geht es da euch ähnlich?

    Ich drücke dir die Daumen beim Nicht-Rauchen durchhalten.

    PS: wenn du über Leistung zu motivieren bist kann ich dir empfehlen ne Zähl-App runterzuladen… die dann einfach deine Rauch-freien (oder sonstige-ohne-schädliches-Verhalten Tage) hoch zählt… find das ganz gut zu wissen, dass man zB schon 95 Tage hat und einem noch 5 bis zur 100 fehlen, dann überlegt man sich „Rückfälle“ eher, weil dann müsste man den Zähler wieder auf 0 stellen…

    Gefällt 1 Person

    1. Hey liebe Mel! So eine App habe ich tatsächlich schon länger. Und leider auch schon öfter gestartet. Auf meiner steht jetzt:

      6 Tage 20 Stunden 29 Minuten
      137 Zigaretten und 41,12 € gespart.

      Nach Deiner Nachricht gestern habe ich mir aber auch noch andere Apps der Sorte angesehen und runtergeladen. Bei der einen wird auch angezeigt wird, wann und zu wie viel Prozent sich der Gesundheitszustand in verschiedenen Bereichen regeneriert hat. So brauche ich noch 7 Tage bis die Durchblutung meines Zahnfleisches wieder normal ist…. Aber noch 4 Jahre bis sich mein Lungenkrebsrisiko halbiert hat. Das ist einerseits deprimierend, aber auch sehr motivierend so nicht weitermachen zu wollen. 😉

      Und beim Meditieren geht es mir wie Dir. Das kann ich nur machen, wenn meine Anspannung nicht zu hoch ist. Und ich in der richtigen Stimmung bin. Was tatsächlich bei mir im Alltag und bei Stress gut funktioniert, sind die kleinen Gesten des Innehaltens, des Sich-Selbst-Berührens und Besänftigen. Eigentlich bin ich in der letzten Woche nur konstant dabei mich selbst zu besänftigen. Ist als neues Hobby aber nicht vollumfänglich zufriedenstellend.

      Gefällt 1 Person

      1. Liebe Nina,

        yeyy immerhin 6 Tage! und letztendlich ist jede nicht gerauchte Zigarette schon bssl Risiko weniger… kleine Schritte halt 😉

        Uuh und danke für deine Rückmeldung zum Meditieren – und gleich mal entspannend zu hören, dass es da anderen/dir ( 🙂 ) genauso ergeht.

        hab ein schönes Wochenende,
        Grüße

        Gefällt 1 Person

    1. Ach, das ist eigentlich ganz einfach. Kennst Du das Buch „Endlich Nichtraucher“ von Allen Carr? Einfach lesen. Das verändert so Dein Mindset, dass es einem überhaupt nichts ausmacht aufzuhören. Im Gegenteil. Leider wirkt es nur beim ersten Mal so richtig gut. Beim zweiten Mal schon weniger. Und ich habe es jetzt ungefähr 20mal gelesen. Und dann ist es punktuell schon harte Arbeit. Gerade vorhin habe ich mich so aufgeregt, dass ich wieder Rauchen wollte, um mich zu beruhigen. Aber Ammoniak geht auch. 😉 Als ich das erste Mal mit dem Buch aufgehört habe, waren es auch mehrere Jahre. Dass ich wieder angefangen habe, war eine strategische Entscheidung und hatte was mit Liebe zu tun. Die Strategie ist aufgegangen. Doof war es trotzdem.

      Gefällt mir

      1. Was mich daran erinnert, dass ich mit dem Rauchen angefangen habe, weil meine damalige Freundin Raucherin war und die Küsse nicht schmeckten, wenn ich selber nicht geraucht habe.
        Hört sich so niedergeschrieben noch blöder an als es ohnehin schon war.

        „Endlich Nichtraucher“ von Allen Carr kenne ich.
        Mir schleierhaft, warum dessen Inhalt einen vom Rauchen abhalten soll.
        Womöglich ist die Verzweiflung, sich dieses Buch zu kaufen, ein gutes Indiz dafür, dass man WIRKLICH mit dem Rauchen aufhören will.
        Wahrscheinlich will ich nicht wirklich.
        Vielleicht bräuchte ich mal ne Nichtraucher-Freundin.
        Aber sich deshalb scheiden lassen? 😀

        Gefällt mir

      2. Warum fragst Du mich denn so eindringlich, wie es mir gelungen ist, wenn Du NICHT aufhören möchtest? Ich habe mir das Buch nie selbst gekauft, aber anderen Verzweiflung zu unterstellen, finde ich dann doch etwas…arrogant? Und wenn es Dir schleierhaft ist, würde es vielleicht bei der Erkenntnis helfen es zu lesen? Irre Idee, ich weiß…

        Gefällt mir

      3. Jetzt schön Ammoniak schnüffeln 😉
        Falls Du es nicht gemerkt hast:
        Ich bewundere gerade Deine Durchhaltevermögen, Deinen eisernen Willen aufzuhören und gestehe mir gerade selber ein, dass mir diese Eigenschaften offensichtlich fehlen.
        Nur nehm ich es halt nicht besonders schwer.
        Zumindest bist zur ersten Lungenkrebsdiagnose.

        Gefällt mir

  7. Meine Bewunderung sollte kein Grund zur Aufregung sein… finde ich…

    Demütig merke ich an, dass ich das Buch gelesen habe.
    Hat nix geholfen.
    Meine bescheidene Vermutung:
    weil ich nicht auf dauernde Wiederholungen anspreche… schon gar nicht, wenn mir die ‚Argumente‘ ohnehin bewusst sind… und meine Motivation anscheinend nicht ausreichend war/ist.

    Ich freu mich für Dich, dass Du durchhälst.

    Gefällt 1 Person

      1. Also bitte… Frau Doktor 🙂

        Ich lass nur niemanden so leicht an mein Unterbewusstsein. Wenn… dann mach ich das schon selber, aber nicht einen Herrn Carr 😉

        Gefällt mir

  8. Du meinst… ich sollte meinem Unterbewusstsein mal sagen, dass Rauchen ungesund ist… rauchfreie Küsse besser schmecken… Rauchen mittlerweile arschteuer ist… und Nina es ja auch schafft?

    Ich vermute, dass mir mein Unterbewusstsein dann antwortet:

    Gesamtgesellschaftlich lohnt Rauchen total. Raucher zahlen Milliarden an Steuern… sterben früher und beziehen weniger Rente… und wenn sie Lungenkrebs bekommen, sind die Kosten für die Krankenkasse zwar heftig, aber das nur für einen recht kurz Zeitraum. Und jetzt mal ehrlich… so alt willst Du doch gar nicht werden.

    Kauf Dir nen Kaugummi oder putzt Dir die Zähne!

    Musste halt mehr verdienen, Du Looser.

    Vergleich Dich nicht mit Nina… die ist toll… Du bist inkonsequent und schwach. Ich hör immer nur mimimi. 😉

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s